Elisabeth Jost (Idar-Oberstein)
Nicht nur die erfolgreichen Filme von Edgar Reitz haben den Hunsrück überregional, ja, sogar weltweit in den Fokus gebracht,
auch die in den letzten Jahren überaus erfolgreichen Veranstaltungen von KAFF in Hottenbach oder die Orgelkonzerte des Stumm-Orgelverein Rhaunen-Sulzbach locken das Publikum aller Altersschichten aus den Zentren der Großstädte in die Region. Sein drittes Rathaus-Konzert in Mengerschied, veranstaltet von einem engagierten Arbeitskreis der Ortsgemeinde Mengerschied, war fast ausverkauft und hinterließ ein total begeistertes Publikum, das die drei hervorragenden Musiker nicht ohne mehrere Zugaben gehen ließ. Mit quer über den historischen Rathaussaal gespannten Farbbändern, einer bestens zum Programm ausgesteuerten Lichtinstallation und der sensibel und dezenten Mikrofonanlage waren die technischen Voraussetzungen geschaffen, dass die Hunsrück-Premiere zum Meilenstein für weitere Konzerte werden kann.
Die Sopranistin Sarah Elisabeth Hickethier, der Tenor Sebastian Haake und der Pianist und Komponist Uwe Friedemann boten unter dem vielversprechenden Motto "Herzenssachen" ein zweieinhalbstündiges Konzertprogramm, das Lust auf mehr machte.
Mit vier berühmten Operettenarien von Franz Léhar darunter das "Wolgalie", "Deine Lippen küssen so heiß" und "Dein ist mein ganzes Herz" sangen sie "offene Türen ein". Der andere Schwerpunkt lag in der Wiedererweckung der Film- Melodien aus den 20er Jahren mit unvergessenen Titeln wie "Bel Ami" oder "Nur nicht aus Liebe weinen" von Theo Mackeben oder dem tiefsinnigen "Das Lied ist aus" von Robert Stolz, Besonders verdienstvoll die anspruchsvollen Chansons von Friedrich Holländer, einem Komponisten, der wie die erfolgreichen Commedian Harmonists wegen der jüdischen Abstammung vertrieben wurde, "Stroganoff" und "Keiner weiß, wie ich bin, nur Du". Aber auch sechs erstmalig hier zu hörende Lieder von Uwe Friedemann, der wie Sarah Hickethier in ihrer kompetenten Moderation ausführte, die durch die Nazis als "entartete Kunst" verschwundene Tradition des Chansons, Songs oder kunstvollen Liedes fortsetzen möchte: "Ich bin der Mond", "Wenn Du weinst vor Glück" und "Hier und jetzt bis zuletzt" verlangten wie die vorgenannten höchstes Können. Uwe Friedmann hatte im 24 Titel umfassenden Konzertprogramm als Begleiter am Klavier die Kapellmeisterrolle übernommen, die thematisch und stilistisch ständig wechselnden Lieder so souverän zu begleiten, dass die beiden Solisten frei agieren konnten.
Denn die besondere Inszenierung, die höchst unterschiedlichen Gesänge szenisch und mimisch darzustellen, darin bestand die Wirkung der mit stimmlich untadelig und auf professionellem Niveau gesungenen Nummern. Der Beifall, anfangs noch zurückhaltend wuchs orkanartig an, als die Slapstick-Songs wie "Ich hab ein Diwanpüppchen - genau wie Du" (Paul Abraham) oder das unschlagbare "Ach Egon- ich hab ja nur aus Liebe zu Dir"(H.Gaze), Männer im Publikum einbeziehend, herzhaftes Gelächter auslösten.
Last not least muss nun endlich etwas über die Solisten gesagt werden. Die aus dem benachbarten Gehlweiler stammende Sarah Elisabeth Hickethier (geb. Kortmann) steuert nach abgeschlossenem vieljährigen Hochschulstudium und erfolgreichen Wettbewerben als Diplom-Opernsängerin insbesondere auch als Diseuse, d.h. hervorragende Interpretin und Darstellerin von internationalen Songs und Chansons auf eine internationale Karriere zu. Wie heimatverbunden sie ist, stellte sie in ihrem anrührenden Bekenntnis zu ihrer Heimat dar, das sie mit ihrem ersten Gastspiel, der Premiere in Mengerschied unter Beweis stellte. Zu ihrer in allen Registern wohlklingende Sopranstimme, die sowohl anspruchsvollste Opernarien wie auch die in diesem Konzert in acht Soloauftritten gehörten anderen Gattungen darzustellen vermag, gehört ihre unnachahmliche schauspielerische Leistung.
Der ebenfalls an der Musikhochschule in Karlsruhe ausgebildete vielseitige Tenor Uwe Haake, der zur Zeit am Koblenzer Theater wirkt, war in den gemeinsam gesungenen und gespielten Szenen ein kongenialer Partner. Seine Stimme verfügt über das Timbre des italienischen Belcanto mit der erstaunlichen Höhe, wie an diesem Abend zu hören, und der Vielseitigkeit eines Baritons.

Den mutigen und rührigen Verantwortlichen der AG Mengerschied, die auch ein "standesgemäßes" Eintrittsgeld von 20 Euro nicht scheuten und mit voll besetztem Rathaussaal dafür belohnt wurden, sei Dank und Anerkennung gesagt.. Es ist notwendig die großen Talente, die aus unserer Region stammen, wieder zurückzuholen und ihnen damit Anerkennung und Wertschätzung zu geben-