Volkstrauertrag
Gedenkveranstaltung in Mengerschied

Am Sonntag, 19.11.17 findet um 11.00 Uhr auf dem Friedhof Mengerschied eine öffentliche Gedenkfeier aus Anlass des Volkstrauertages statt.

Ortsbürgermeister Heiko Motel wird eine Gedenk-Ansprache halten und die Ortsgemeinde sowie die örtlichen Vereine werden einen Kranz am Gefallenen-Denkmal niederlegen.

Begleitet wird die Veranstaltung vom Gemischten Chor Mengerschied-Schwarzerden.

Volkstrauertag - bereits seit 1922 versammeln sich in deutschen Landen an diesem Tag überregional die Menschen. Ursprünglich gedenken sie ihrer Kriegstoten aus dem Ersten Weltkrieg - vor allem der Soldaten aus ihren eigenen Gemeinden und Familien. Sie stehen zusammen, insbesondere auch für diejenigen Kriegstoten, denen ein Grab am Ort fehlt, an dem die Familie sich versammeln kann, und sie bezeugen menschlichen Beistand. Vielerorts entstehen Kriegerdenkmale mit den Namen der lokalen Toten.

Sie hätten wohl nicht vorausgesehen, dass fast 100 Jahr später ein deutscher Staatschef, den man nun „Bundespräsident” nennt, mit einem französischen Staatspräsidenten gemeinsam der Kriegs- opfer gedenken würde. Viele werden es in der Medienberichterstattung verfolgt haben, wie Herr Steinmeier und Monsieur Macron am Hartmanns- willerkopf im Elsass die erste deutsch-französi- sche Gedenkstätte eröffnet und besucht haben, zusammen.

Die Fußballfreunde unter uns konnten verfolgen, wie Anfang dieses Monats deutsche und britische Fußball-Nationalspieler anlässlich eines Freund- schaftsspiels der Kriegstoten gedacht haben, da sich am 11. November der Waffenstillstand jährte. Das gemeinsame Gedenken, so der DFB-Präsident, stünde heute für „Respekt, Toleranz und Menschlichkeit”.

Juden und Nicht-Juden haben kürzlich, um den 9. November, gemeinsam der Opfer des national-sozialistischen Judenmordes gedacht - auch dies ist nicht selbstverständlich. Und nicht zuletzt gedenken Menschen in Ost und West der Mauertoten und anderer Opfer des DDR-Regimes. Die Polen gedenken am 11. November des Wiederer- stehens ihres Staates, und die Tschechen der 1989 erfolgreichen „Samtenen Revolution”.
Der Volkstrauertag erinnert uns an die gewaltsamen oder mindestens gefahrvollen Brüche des 20. Jahrhunderts. Er erinnert an die Toten, die ihr Leben verloren haben. Und er erinnert an die Trauernden, die zurückgeblieben sind mit ihrem Verlust.

Fast hundert Jahre: Es wird wohl die Zeit der persönlichen Trauer um die Toten des Ersten Weltkrieges dem Ende entgegengehen. Dennoch ruft er ins Gedächtnis, wofür Menschen vor 100 Jahren ge- kämpft haben und gestorben sind: für nationale Werte, für eine Vormacht gegenüber ihren Nachbarstaaten in Europa, für territoriale Ausdehnung, für die Verteidigung von Kolonien, die Aufrechter- haltung von Reichen oder kaiserlichen Herrscherhäusern und gegen Autonomiestreben von Minderheiten. Das mag uns heute fast fremd erscheinen, aber es war selbstverständlich und ist unsere Geschichte. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir heute uns leiten lassen wollen von dem Gedanken der europäischen Verständigung, der friedlichen Konfliktlösung. Am Volkstrauertag bleibt uns die Frage nicht erspart, ob die Toten, deren wir gedenken, denn unsere Erinnerung „verdient” hätten. Sind sie für eine gute Sache gestorben, oder wenigstens, not- falls naiv, im guten Glauben? Diese beunruhigende Frage soll man nicht übergehen.

Den Einsatz für nationale oder gar „rassische” Überlegenheit und Kriegsverbrechen können und wollen wir nicht gutheißen. Aber es soll uns Anlass für ein mahnendes Gedenken sein und uns die eigene Verführbarkeit vor Augen führen. Niemand möge sich überheben und beanspruchen, wir seien sicherlich besser oder wären sicherlich „besser” gewesen. Im Angesicht des Verlustes von Menschenleben und Mitmenschlichkeit geht es heute nicht mehr um „gut oder böse”, sondern um die Beendigung des Denkens in „Freund oder Feind”.

So ist der Volkstrauertag ein Gedenktag, der uns mahnt zu bedenken, wofür wir heute das Kostbarste einsetzen würden, dass wir haben: unser Leben. Selbst im Alltag riskieren Angehörige der Polizei, der Feuerwehren und anderer helfenden Verbände immer wieder ihr Leben oder ihre Gesundheit für Dritte, ähnlich Angehörige der Bundeswehr in Krisen- und Kriegsgebieten. Wieder andere sind, vor allem in den letzten Jahren, vor Diktaturen und Bürgerkriegen zu uns geflüchtet, auf gefahrvollen Wege etwa über das Mittelmeer. Sie sind zu uns gekommen auf der Suche nach Sicherheit, und viele von ihnen haben Angehörige verloren.

All dieser Toten gedenken wir heute. Es ist Anlass, zusammenzustehen, grenzüberschreitend, für Verhältnisse, in denen Menschen nicht sterben müssen für Frieden, für Menschenrechte und für Demokratie.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Versöhnung über den Gräbern - Arbeit für den Frieden